Mit 146 Jahren neu geboren

BERGT BRÄU – ein Vermächtnis

Im Ortsteil Chemnitz-Reichenbrand wurde 1874 durch Karl-Friedrich Hofmann die Brauerei erbaut. Oswald Bergt, der diese 1895 übernahm, verstand die Kunst des Brauens wie kein Anderer und gab seine Erfahrung den nachfolgenden Generationen weiter. Unsere Brauerei in Reichenbrand kann über Oswald Bergt, dessen Söhne Max und Rudolph, seinem Enkel Joachim sowie wiederum dessen Sohn Matthias auf eine lange Familientradition zurückblicken. Heute, in der 5. Generation nehme nun ich, Michael Bergt Einfluss auf die Geschicke der Brauerei. Nach erfolgreicher Lehre zum Brauer und Mälzer in Dresden und anschließendem Studium zum Braumeister in Gräfelfing, bin ich seit 2005 als damals jüngster Braumeister Sachsens im Familienunternehmen tätig.

Mit der Wiedereinführung der Marke BERGT BRÄU erfülle ich nun 2020 mit Stolz den Lebenstraum meines mittlerweile verstorbenen Großvaters Joachim Bergt.

Inhaber und Braumeister
Michael Bergt

Das Revival

BERGT BRÄU aus Reichenbrand, vielen Chemnitzern noch ein Begriff. Nie ganz verschwunden, doch zwischendurch kurz mal weg. Nicht freiwillig, denn im Arbeiter- und Bauernstaat musste alles Allen gehören. Damit wurde BERGT BRÄU dann in den „80ern“ und „90ern“ zum „Reichenbrander“.

Seit der Wende ist BERGT BRÄU zurück, zumindest im Markenzeichen der Brauerei Reichenbrand und somit auch wieder auf den Etiketten - wenn auch von manchem unbemerkt. So fanden wir es an der Zeit, mit der 5. BERGT-Generation, das BERGT BRÄU-Revival im neuen Outfit zu starten.

1874

Die Brauerei im Ortsteil Chemnitz-Reichenbrand wurde 1874 durch Karl-Friedrich Hofmann erbaut. Dieser konnte jedoch aufgrund Absatzmangels sein “Selbstgebrautes” nur an Sonn- und Feiertagen ausschenken. Nach dessen Konkurs 1895 übernahm Oswald Bergt – der Ururgroßvater des heutigen Geschäftsführers Michael Bergt – die Brauerei und führte sie über die Jahrhundertwende.

 

Oswald Bergt – im Bild rechts

1904

In der „Brauerei Oswald Bergt Reichenbrand“ wurde um 1900 traditionsgemäß ein relativ dunkles Bier gebraut, das eigene Brunnenwasser gab ihm schon damals einen unverwechselbaren Geschmack. Über die Jahrhundertwende bis zum ersten Weltkrieg konnte eine Jahresproduktion von 2.000 Hektolitern gehalten werden. Die Kriegswirren und die Nachkriegszeit waren für die Bergt’s harte Jahre.

 

Obergefreiter Max Bergt, stationiert in Metz 1904

1908

Dennoch behielten Oswald Bergt und seine Söhne Max und Rudolph einen kühlen Kopf und unternehmerisches Geschick. Das schon damals süffige Bier mit Qualitätsniveau war bei den Chemnitzern beliebt. Absatz gab es zu jeder Zeit, trotz Inflation und Arbeitslosigkeit. Die Aufnahme zeigt Max Bergt mit seinen „Lieblingen“, den Brauerei-Pferden. Nach Überlieferung kannten diese den Heimweg und brachten die gelegentlich selbst betrunkenen „Bierkutscher“ stets sicher zurück in die Brauerei.

 

Max Bergt (vorn, mitte), neue Pferde 1908

1924

Im Jahr 1924 beging die Brauerei ihr erstes großes Jubiläum. Der 1. Weltkrieg war überstanden und die Geschäfte florierten. Mehr und mehr übernahm Max Bergt die Führung der Brauerei. Auf diesen Zeitraum dürfte auch die Einführung der Bezeichnung „Brauerei Bergt Reichenbrand“ zurückgehen. Das Bier aus dem Hause Reichenbrand wurde regional und auch überregional erfolgreich als „Bergt Bräu“ vermarktet.

 

50-Jahrfeier, Brauhof Zwickauer Straße, 1924

1935

In den Jahren vor dem 2. Weltkrieg konnte die Brauerei ihren Platz in der Gunst der Chemnitzer weiter ausbauen. Zahlreiche Schankwirtschaften und Händler konnten hinzugewonnen werden. Die Brauerei selbst wurde weiter ausgebaut, Kapazitäten erhöht und die Bekanntheit des beliebten „Bergt Bräu“ konnte gesteigert werden.

 

Brauerei Bergt, Zwickauer Straße, ca. 1935

1955

Mit dem „Bergt-Laster“ ging es in den 1950er Jahren werbewirksam durch die Stadt Chemnitz. Die Aufnahme zeigt die Auslieferung von Fässern für die Gasthäuser, gefüllt mit frischem „Bergt Bräu“. Bis zu 30 Fässer á 100 Liter konnten in einer Fuhre mit dem „Bergt Bräu“-LKW transportiert werden.

 

Bergt LKW, Zwickauer Straße, 1955

1962

Der abgebildete „Bergt Bräu-Biertank“ war zu seiner Zeit das Beste in Sachen Lagerung und Kühlung. Schon damals wurden die Biere lange und kühl gelagert und erhielten damit die hohe Qualität. Zudem ist die Brauerei die einzige Brauerei in und um Chemnitz, in der das traditionelle Brauverfahren „offene Gärung“ angewandt wird. Die Vorteile der offenen Gärung (klassischer Gärprozess) ist das Austreiben von unerwünschten Aromastoffen und die Möglichkeit, die von der Hefe nach oben geförderten Hopfenharze abzuschöpfen.

 

Bergt Bräu-Tank, 1962

1964

Die sechziger Jahre waren geprägt von immer weiter um sich greifender sozialistischer Planwirtschaft. Privaten Unternehmen, wie der Brauerei Bergt wurde es immer schwerer gemacht, aus eigener Kraft zu bestehen. Mangelwirtschaft mit Problemen in jedem Bereich von der Produktion bis zur Instandhaltung prägte das Tagesgeschäft. Für die dringend erforderliche Modernisierung der Brauerei mussten Kredite aufgenommen werden, welche es nur mit staatlicher Beteiligung gab.

 

Brauerei Bergt, Zwickauer Straße, 1964

1966

Nach einer umfangreichen Modernisierung des Flaschenkellers konnte dennoch ein Jahresausstoß an Flaschenbier von 40.000 Hektolitern erreicht werden. Die Produktion von Fassbier wurde jedoch gänzlich eingestellt. Aber die Freude über das Erreichte währte nicht lang. Joachim Bergt ahnte bereits, dass die staatliche Beteiligung nur eine Gnadenfrist bedeutete.

 

Einbau der Flaschen-Waschanlage, Zwickauer Straße, 1966

1972

Und schon bald war es soweit: Am 10.04.1972 – quasi über Nacht – musste das bislang familiär geleitete Privatunternehmen “freiwillig” an den Staat verkauft werden. Für die „Brauerei Bergt“ war es das vorläufige „Aus“. Auch Joachim Bergt – der inzwischen Geschäftsführer war, wurde das Gefühl nicht los, verloren zu haben. Es folgte die Zwangsumbenennung der Brauerei in: „Brauerei Reichenbrand“. Diese war fortan als selbstständiger Betrieb dem Wirtschaftsrat des Bezirkes Karl-Marx-Stadt unterstellt und ab 01.01.1980 dem in Chemnitz ansässigen Getränkekombinat – Stammbetrieb „Braustolz” – als Produktionsstätte zugeordnet. Joachim Bergt war in „seinem” Betrieb weiterhin als Produktionsstättenleiter angestellt, und konnte somit – wenn auch im kleinen Rahmen – auf die Qualität der Produkte Einfluss nehmen.

 

Joachim Bergt – Geschäftsführer von 1956 bis 2016

1989

Mit den ersten Demos 1989 in der Innenstadt von – nun wieder – Chemnitz sah Joachim Bergt eine berechtigte Hoffnung, die Brauerei in sein Eigentum zurückzuführen. So stellten sich Joachim Bergt und sein Sohn Matthias einer großen Herausforderung. Als einer der ersten Betriebe in Chemnitz konnten sie mit der Reprivatisierung am 1.4.1990 die Brauerei wieder ihr Eigen nennen und zögerten nicht lang, die neugegründete KG – wenn auch in kleinen Schritten – nach und nach auf wettbewerbstaugliches Niveau zu bringen. 1991 wurde die Produktion von Fassbier nach mehr als 20 Jahren wieder aufgenommen.

 

Matthias Bergt im Sudhaus, 1994

2020

Hallo „BERGT BRÄU“ willkommen zurück!

Der 27. Mai 2020 markiert nun ein weiteres denkwürdiges Datum in der Geschichte der heutigen „Brauerei Reichenbrand GmbH & Co.“ An diesem Tag wurde erstmals wieder seit 48 Jahren ein frisches „BERGT BRÄU“ abgefüllt. Mit dem Come-back der Marke „BERGT BRÄU“ erfüllt Enkel Michael Bergt nicht nur das Vermächtnis seines Großvaters Joachim Bergt sondern erweckt eine Chemnitzer Traditions-Biermarke wieder zum Leben. Die Familientradition der Bergt´s in 5. Generation mit ihrer Brauerei in Reichenbrand ist eng verwoben mit den Gefühlen und Erinnerungen der Einwohner unserer Stadt und weit über deren Grenzen hinaus. Heute stoßen wir an auf die älteste Privatbrauerei der Stadt und die Wiedergeburt ihres 146 Jahre alten Sprösslings.

 

Darauf ein BERGT BRÄU – zum Wohl!

 

Erste (Wieder)-Abfüllung BERGT BRÄU, die erste Flasche HELLES läuft vom Band, 2020.

  • Brauerei Gustav Oswald Bergt – Siegmar; Bierdeckel ca. 1920

  • Brauerei Gebrüder Bergt – Reichenbrand; Bierdeckel ca. 1930

  • Brauerei Oswald Bergt – Reichenbrand; Bierdeckel ca. 1940

  • Bergt Bräu – Reichenbrand; Bierdeckel ca. 1950

  • Brauerei Bergt Reichenbrand; Bierdeckel ca. 1960

  • Brauerei Bergt Reichenbrand; Bierdeckel ca. 1965

  • Bergt Bräu; Obergäriger Haustrunk; Etikett ca. 1920

  • Bergt Bräu – Schloßbrauerei Rabenstein; Bierkrug 1950 bis 1960

  • Brauerei Bergt Reichenbrand; Bierkrug ca. 1925

  • Brauerei Bergt Karl-Marx-Stadt; Etikett „Helles“ 1965

  • Brauerei Bergt Karl-Marx-Stadt; Etikett „Malzbier“ 1965

  • Brauerei Bergt Karl-Marx-Stadt; Etikett „Pilsner“ 1965

  • VEB Braustolz – Produktionsstätte Reichenbrand; Etikett „Helles“ ab 1972